Thomas Wiegand's Urlaubserinnerung 1988 bei Radwanderung in Frankreich


Radurlaub durch Frankreich nach Bordeaux in 1988
2-wöchige Radwanderung mit meinem Vater von (München) Weil am Rhein, über Basel, das Zentralmassiv, die Dordonne und Bordeaux bis an den Atlantik, ca. 1500 km

Meine letzte, längste, aufregendste und anstrengendste Fahrradtour

mit Thomas

geschrieben für Hilde Dezember 1988

Der 1. Tag
Da saßen wir zwei nun gerade mal nach einer halben Stunde Radfahrt in der ersten Wirtschaft und mussten Zwangspause machen. Es regnete in Strömen draußen und wir tranken Tee um uns warm zu machen und uns warm zu halten.
Die Leute in der Wirtschaft schauten etwas erstaunt auf uns, denn wir waren ja mit unserer Fahrradkluft dort hineingegangen. Es regnete und regnete. Ein wenig Unterhaltung kam auf, als eine niederländische Familie sich an den Tisch setzte.
Wir waren von Hilde bis etwas in Höhe Schaffhausen gebracht worden. Ursprünglich war ja die Tour von Pöcking aus geplant gewesen. Aber eine Feier im Sportheim von der AH-Mannschaft ließ uns nicht wie gewohnt wegkommen. So waren wir also auch etwas an dem Punkt, an dem wir an dem Tag hätten sein müssen.
Unser Blick ging natürlich immer wieder hinaus und dann endlich nach ca. 2 Stunden konnten wir es wagen, wieder weiter zu fahren. Wir mussten ja irgendeine Entfernung schaffen, doch nicht schon am ersten Tag nicht weiterkommen ...
Wieder im Sattel, kamen mir zunächst überhaupt keine erfreulichen Gedanken in den Sinn. Hinter Thomas herzufahren, war nicht einfach. Einmal fuhr er recht schnell, was mir trotz der Anstrengung angenehm war, hoffte ich doch, irgendwann in die Sonne zu kommen. Zum anderen musste ich immer auf das Spritzwasser von seinem Fahrrad aufpassen, welches mir oft bis ins Gesicht spritzte.
Dann nach relativ kurzer Zeit, wir waren Basel schon recht nahe gekommen, sahen wir in unserer Fahrtrichtung den ersehnten blauen Himmelsstreifen. Aber, auch als wir schon in Basel waren, er kam einfach nicht entscheidend näher.
Basel sollte für die erste nervliche Bewährungsprobe werden. Wir haben einfach nicht den richtigen Grenzübergang gefunden. Auch die beiden älteren Frauen, die wir als letztes befragten, schickten uns zwar zu einem Übergang, aber der erwies sich letztlich als genau so falsch, wie die beiden anderen zuvor.
Dabei hatten wir die Strecke so genau im theoretischen auf der Karte geplant. Denn nach der Grenze, jetzt in Frankreich, mussten wir uns auch mühsam, teilweise erfragend, auf unsere ursprünglich geplante Strecke wiederfinden.
Eigentlich wollten wir unseren Grenzübergang, Schweiz-Frankreich filmen, aber man ließ uns nicht. So ein winziger Übergang und so eine Geheimniskrämerei ...
Nun waren wir aber bereits in Frankreich, der blaue Horizont hatte uns endlich erreicht und die Sonne schien vom blauen Himmel. Es war zwar etwas kühl, aber jetzt auf der richtigen geplanten Strecke, kam so langsam meine Laune wieder. Zumal wir bei einem Stop zurückblickend einen herrlichen, weiten Blick auf den französischen Jura hatten. Auch konnten wir bis hin zum Schwarzwald schauen. Wir waren uns nicht ganz sicher, ob wir den Belchen im Schwarzwald richtig erkannt hatten.
Wir hatten in den vergangenen Stunden schon über 100 km zurückgelegt und es galt ein Nachtquartier zu finden. Irgendwie hatte ich die Hoffnung, dass wir einen Zeltplatz finden würden. Da war aber nichts. Wir sind dann schon durch einige kleine Ortschaften gefahren, die genau so aussahen, wie die in Deutschland, ohne was zu finden, aber ohne auch den Mut aufzubringen, nach einem Platz zu fragen. Ich muss aber auch feststellen, dass seltsamerweise keine Person auf der Strasse zu sehen war.
In irgendeinem Ort dann, bei einem Haus war ein Mann zu sehen, uns es schien zum Haus eine Wiese zu gehören, habe ich dann gefragt. Er konnte kein Deutsch und ich kein Französisch. Seine Tochter konnte gut Englisch, verstand ich, er wolle sie holen. Nun ja, wir haben uns dann verständigt, aber eher Zeichensprache als Englisch, und wir konnten unser Zelt dort aufbauen. Sie waren wirklich sehr nett.
Als ich mich dann hinlegen konnte, merkte ich erst, wie kaputt ich doch wirklich bin. Dem Thomas schien die Fahrt nichts ausgemacht zu haben, obwohl es doch sehr Berg hoch und runter ging. Nach dem Essen, es war dann vielleicht halb neun, wurde das Zelt geschlossen und unser erster Tag konnte als erfolgreich abgeschlossen angesehen werden.


Der 2. Tag
Pünktlich morgens um 06.00 Uhr hatten wir unsere Wecker gestellt und uns natürlich auch geweckt. Wir hatten zwar recht dicke Schlafunterlagen dabei, aber so absolut bequem war es nicht gewesen. Und kalt war es draußen. Aber was half es, wir mussten hoch, wollten wir doch den ersten richtigen Tag auf dem Fahrrad bestehen.
Als erstes, das hat sich dann später auch eingespielt, haben wir immer das Zelt abgebaut, sauber gemacht, und verpackt. Dann kam das Frühstück, bei dem ich am Anfang immer viel Appetit hatte, aber dann vom nahenden Fahren, vor Nervosität immer satter wurde. Thomas hatte vom Fahrradfahren die größere Erfahrung. Nach ihm war dann auch immer eine Banane nach jedem Essen, oder auch zwischendurch, Pflicht.
Die erste Strecke ging es gleich steil bergauf. Na ja, ich war ja wieder recht gut zu Kräften gekommen. Aber Spaß machte das auch nicht gerade. Auf der Karte sind die Höhenunterschiede nicht zu erkennen, das war vielleicht mein Glück, so brauchte ich nicht schon vorher verzweifeln. Aber es ging nun dahin.
Über Delle war bald zu erreichen, das Städtedreieck von Audincourt. Nun nahm ich mir endlich mal Zeit, ein paar Gedanken aufkommen zu lassen. Unterwegs auf dem Fahrrad war das gar nicht möglich. Immer aufpassen, dass ich hinter Thomas herfahre. Bei den Pausen haben wir die Landschaft genossen, Flüssigkeit zu uns genommen und uns die Strecke angeschaut.
Hier im französischen Jura war die Landschaft für uns wirklich wunderschön. Nach dem Regen war es kühl und trocken geworden. Der Blick reichte immer bestimmt über 100 km weit. Wir konnten uns manchmal gar nicht satt sehen, mussten aber weiter.
Mir kam in den Sinn, wie ich gestern die Hilde verabschiedet hatte. Es war noch eine schöne Erinnerung, wie wir uns festhaltend, küssten und Abschied nahmen. Meine Art lässt es leider nicht zu, sehr viel Gefühl zu zeigen, um so mehr hatte ich diese Art des festhaltenden Abschieds in der Erinnerung. Ihr Kuss war noch zu spüren. Wir mussten ja auch beide, warum wir uns länger festhielten ... Das Jahr war für uns beide nicht gerade gut verlaufen.
Diese Radtour, meines Erachtens durch einen puren Zufall entstanden, war lange geplant und trotz allem, hatte ich mich darauf gefreut. Das Fahrrad, das ich mir neu von meiner 25-jährigen Dienstprämie gekauft hatte, hatte mir schon beim Training für diese Tour viel Freude gemacht.
Hilde und ich haben uns häufig darüber unterhalten, dass diese Art des Urlaubs mit dem Sohn Thomas uns beide ein wenig näher bringen könnte. Denn mit dem Verhältnis zu meinem Sohn Thomas, waren wir gar nicht zufrieden. Es war ein wenig traurig, wie es war ...
Und dann waren wir plötzlich nicht in Audincourt, sondern in Montbeliard. Die Strassen waren für uns Radfahrer sehr schlecht beschildert. Zwei Mädchen mussten herhalten und uns den Weg raus aus diesem Labyrinth zu zeigen. Es war schwierig. Thomas schaffte es. Auch seine Idee, die Busstrecken zu Rate zu ziehen, halfen uns, den nächsten richtigen Ort zu erreichen.
So, nun waren wir dann wieder auf der richtigen Strecke. Das war uns immer wichtig. Wir konnten dann beruhigt zum Essen übergehen. Es musste Mittag gegessen werden. Für die Kaffeezeit musste Kuchen gekauft werden, und auch das Abendessen und dann das Frühstück durften nicht vergessen werden. Noch hatten wir ja auch etwas, was wir von zu Hause mitgenommen hatten.
Wir waren am Fluss, dem Doubs angekommen, der uns noch 2 Tage begleiten sollte. Es bedeutete auch, dass die Steigungen auf den Strassen, nicht mehr so extrem sein werden. Es wurde ein ruhiges fahren. Trotzdem war ich gegen vier Uhr so fertig, dass ich den nächsten Campingplatz anfahren würde.
Das wollte ich schon deshalb machen, weil ja nicht bekannt war, wann und wo wir einen Platz finden würden. Und noch möglicherweise zwei Stunden fahren, das wollte ich nicht.
In l'Isle sur Doubs war dann auch einer. Wenn ich ehrlich bin, hat mich diese Art des Campingplatzes überrascht. Nicht so organisiert, wie wir das von früheren Urlauben kannten. Aber wohl für durchreisende eingerichtet. Direkt am Fluss gelegen, war er landschaftlich sehr schön. Unter den Bäumen konnte ich auf meiner Matte liegen und ausruhen, dabei die anderen Menschen beobachten, war herrlich.
Thomas musste ins Dorf und Essen besorgen. Er hat das immer ohne murren, als wäre es wirklich seine Aufgabe gewesen, das Essen in solchen Situationen besorgt. Ich muss auch ehrlich bekennen, an dem Tag hätte ich es erst nach zwei Stunden gekonnt.
Aber ich erholte mich rascher, als ich gehofft hatte. Viel trinken, denn ich hatte am Tag zuvor wohl zu wenig getrunken. Diesen Tag spürte ich noch in den Knochen.
Zunächst waren nur sehr wenige Zelte auf dem Platz. An der nahen Strasse konnten wir andere Fahrradgruppen vorbeifahren sehen. Aber dann füllte sich der Platz immer mehr. Ich war soweit wieder hergestellt, dass ich nach dem Thomas, im nahen Fluss kurz schwimmen gehen konnte.
Neben uns hatte sich eine Mutter mit ihren beiden Kindern breit gemacht. Sie fingen auch gerade mit dem Urlaub an. Sie hatten Stühle dabei. Und nachdem ich die Frau in ein Gespräch verwickeln konnte, konnte ich eine halbe Stunde sitzen.
Es war wohl noch alles nicht so ideal, aber so langsam kamen wir doch in Urlaubsstimmung.
Natürlich war es noch keine 9 Uhr, als wir im Zelt lagen. Aber morgen um 6 Uhr würde wieder ein neuer tag für uns beginnen.


Der 3. Tag
Als wir morgens - natürlich wieder um 6.00 Uhr - aufstanden, war es noch recht kühl. Wie überhaupt zu dieser Jahreszeit es doch ein wenig zu kalt war. Aber es war ein herrlicher Morgen. Über dem nahen Fluss hing ganz dünn ein leichter Nebel. Ganz still. So haben wir dann auch unser Zelt abgebaut, welches plötzlich inmitten vieler anderer Zelte stand. Da mussten nachts noch eine Menge Besucher zugekommen sein.
Es gab unser obligatorisches Frühstück im Stehen mit Milch, Kuchen und zum Schluss die Banane. Heute fühlte ich mich auch erheblich besser. Ich schien eingeradelt zu sein ...
Während wir noch frühstückten, musste ich immer daran denken, meine Fahrradhose mit einem Fett einzuschmieren. Das war immer eine komische schwierige Arbeit. Wenn ich dann die Hose, morgens ganz ausgekühlt, überzog, war das am Anfang immer ein ganz blödes Gefühl. Aber offensichtlich hatte mich dieses Fett bisher von einem Wolf - wunder Hintern - bewahrt.
Wir saßen immerhin ein paar Stunden ununterbrochen im Sattel. Auch wenn wir Pause machten, kam da doch eine ganz schöne Zeit zusammen.
Die Fahrerei an diesem Tag war so, wie ich sie mir immer erhofft hatte. Von der Anstrengung her zu ertragen und der Weg war eindeutig zu finden. Am Fluss entlang kamen wir in die Stadt Besancon. Wir fühlten uns schon mitten in Frankreich.
Der Tag war doch sehr warm geworden. Angenehm zum fahren und Thomas konnte - war er immer ausgiebig tat - seinen Bräunungsprozess fortsetzen. In Besancon bekam ich Appetit auf eine handfeste Mahlzeit. Diesen Wunsch umzusetzen, war gar nicht so einfach. Erst einmal wollten wir für Gasthausbesuche so wenig Geld wie möglich ausgeben. Und dann achtete Thomas immer streng darauf, das die Fahrräder während unseres Essens unter Kontrolle zu haben.
In einer Pizzeria, die auch auf der Strasse Stühle aufgestellt hatten, bekamen wir unser Essen. Kein Bier dazu, ich hatte noch viel zu sehr Angst, dass es an die Kondition gehen würde.
Mit zwei anderen Männern, die sich am Nebentisch gesetzt hatten und auch mit dem Fahrrad unterwegs waren, bekamen wir schnell Kontakt. Es waren Holländer, die sehr von unserer Tour bis Bordeaux beeindruckt waren.
Ich weiß heute noch nicht genau, warum ich immer wieder erzählt habe, wie weit und großartig wir fahren. Ich glaube, ich musste mir immer wieder Mut machen.
An diesem Tag wollten wir einige Kilometer fahren. Es ging auch gut an. Durch oder neben dem großen Flusstal, durch weite Wälder war es ein schönes Fahren. Die Sonne wurde immer heißer. Ein Wetter, wie wir es uns eigentlich gewünscht hatten.
Kurz vor Dole, etwa 50 Kilometer nach ... ging es recht gut eine Strasse hinunter. Wir ließen die Räder natürlich laufen. Dann plötzlich ein - kriipp - und Thomas sein Aufschrei, 'Meine Speiche ist gebrochen!'.
Wir standen zunächst dieser Situation völlig hilflos gegenüber. Die Fahrräder wurden in einen Feldweg geschoben und Thomas richtete sein Rad soweit her, dass er wieder fahren konnte.
Das sollte unser Unglück werden. Denn nach nur wenigen Kilometern gab es ein noch lauteres Geräusch. Er hatte einen Platten. Und nach genauem Hinsehen, war auch die Decke durchgebrochen.
"Das können wir nur in einer Werkstatt reparieren", meinte er lakonisch. "Fahr Du mal vor, mach eine Werkstatt ausfindig, und ich komme hinterher."
Nachdem wir einen genauen Treffpunkt in Dole ausgemacht hatten, tigerte ich los. Jetzt ohne hinter Thomas herzufahren, merkte ich erst, wie anstrengend das war.
Nach kurzem Fragen mit meinen 4 Wörtern französisch, hatte ich eine Fahrradwerkstatt gefunden. Die war natürlich geschlossen, denn es war Mittagszeit. Die Öffnungszeiten herauszubekommen und dann noch, wer der Besitzer ist, und wo der wohnte, war eine lange mühsame - aber letztlich erfolgreiche - Arbeit.
"Grand Malheur, Velo", habe ich zum Fenster heraufgerufen, in dem nach meinem Läuten eine mürrische Stimme zu hören war.
Da war nichts zu machen. Auch eine junge Französin konnte mir nicht helfen. Aber sie konnte mir wenigstens sagen, dass der Besitzer auf keinen Fall vor 14.00 Uhr öffnen würde.
Wir hatten dann auf eine wunderbare Weise ein persönliches Gespräch, offen, einfach, dass ich es lange in Erinnerung hatte.
Aber die Pflicht rief. Ich konnte doch Thomas nicht solange allein lassen. Also bin ich umgekehrt, um ihm entgegenzufahren. Aber an der nächsten Kreuzung stand er schon, und wartete auf mich. Er hatte eine wahrhaftige Leistung mit seinem Fahrrad und dem Gepäck vollbracht ... und bis hierher gelaufen!
Wir beschlossen, in dem Ort einen Campingplatz zu suchen und die Nacht hier zu verbringen, dass er in Ruhe sein Rad reparieren lassen konnte.
Der Campingplatz lag schön an einem Fluss gelegen, wo auch ein wenig Betrieb war und die Bevölkerung zum Baden benutzte. Der Blick ging ruhig über eine Sportanlage auf die Stadt, wobei die Silhouette von einer alten, mächtigen Kirche geprägt wurde.
Wir bauten in Ruhe unser zelt auf, ich holte meine Liegeunterlage hervor und ließ mir die Sonne auf den Pelz brennen. Thomas ging derweil, um sein Rad reparieren zu lassen. Er war verhältnismäßig schnell wieder zurück, hatte auch schon eingekauft.
Nachdem wir uns geeinigt hatten, dass ich auf die Räder und das Zelt aufpassen sollte, ging er an den nahen Fluss, um zu Baden. Ich lag auf der matte und musste mich vor dem Einschlafen schützen. Ich hatte so sehr Respekt vor seiner Angst, dass etwas passieren konnte, dass ich es tatsächlich geschafft habe, nicht einzuschlafen. Nur hatte ich vom ewigen Augenlieder hochziehen Muskelkater bekommen br> Es war so herrlich faul, da zu liegen, sich zu sonnen, und die Leute zu beobachten.
Mit der Zeit kamen auch immer mehr Fahrradtramper auf den Platz. Gleich neben uns machte zunächst ein Mann sein Zelt auf, der mit einem Spezialrad unterwegs war, was es uns auch später voller Stolz unter die Nase rieb. Das Wetter wurde schlechter, und es kamen schon immer wieder kurze Schauer herunter.
Auf der anderen Seite von uns, machte dann auch ein Vater mit Sohn Station. Sie waren in der nähe von Heidelberg gestartet. Natürlich entwickelte sich dann ein Fachgespräch über Fahrräder, aus dem ich mich immer mehr zurückzog, da die anderen viel mehr wussten als ich.
Die Nacht verhieß nichts gutes. Denn ein Gewitter kündigte sich schon an. Es blitzte und donnerte. Aber nicht sehr stark. Die Nacht im Zelt verlief dann relativ ruhig.


Der 4. Tag
Als wir an diesem 4. Tag aufwachten, hatte es gerade zu regnen aufgehört. Das Zelt war noch feucht, so dass wir beim zusammenpacken aufpassen mussten.
Ich hatte ein wenig Bammel, mit meinem Schlauch, den wir am Vortag repariert hatten und bei dem ich Blödsinn gebaut hatten. War sowieso keine gute Vorstellung vor den anderen Großmäulern gewesen.
Zelt also abbauen, Frühstücken, Hose einschmieren, Sachen auf das Fahrrad bauen, wie üblich jeden Morgen. Die Banane danach hing mir schon zum Halse raus. Aber Thomas bestimmte das so
Dann ging es los. Nach 500 Metern stoppte Thomas und meinte, ich hätte nicht genug Luft im Reifen. Welcher Schreck. Aber nach dem Aufpumpen ging das dann schon. Nur er, er hatte einen Platten, also alles wieder abladen und Reifen flicken. Der Tag fing gut an.
Dann, nach einer halben Stunde ging es dann endlich los. Durch Dole, eine schöne am Fluss gelegene Stadt. Viele alte historische Bauten in einem Stil, der dem deutschen doch sehr ähnlich ist.
Thomas schlug eine Geschwindigkeit ein, bei der ich nur hinter ihm bleiben konnte. Heute mussten wir eine größere Strecke zurücklegen. Wir waren durch die Panne gestern etwas ins Hintertreffen geraten. Den Vater mit Sohn, die lange vor uns gestartet waren, hatten wir bald eingeholt. Bis Chalon waren es 58 Kilometer, und die wollten wir mit großer Geschwindigkeit durchfahren. Danach ging es langsam in das französische Zentralmassiv und da würde es sowieso länger dauern.
Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 30 km/h ging es dahin. Die Strasse war recht groß und damit auch der Verkehr. Aber es rollte. Das hinter Thomas herfahren, war sehr anstrengend. Wollte ich im Windschatten fahren, durfte ich höchstens einen halben Meter hinter ihm sein, sonst hätte ich sein Tempo nicht mithalten können
Er hatte aber leider eine Uneigenheit an sich, die einen leichten Zusammenstoss zur Folge hatte. Natürlich habe ich mir nebenbei immer die Landschaft angeschaut. Vor allen Dingen darauf geachtet, wann es denn einen Wechsel von deutscher zu französischer Kultur erkennbar wird. Ich habe mir auch Gedanken darüber gemacht, dass alles wohl so ähnlich ist, wie man es sowieso kennt. Die weiten Felder, durchsetzt von Wäldern, war unserer Landschaft ähnlich. Nur die Dörfer waren anders gebaut. Weil sie älter waren?? Die Ortskerne, die wir durchfuhren, hatten etwas Beständigeres.
Das sah ich natürlich alle, wollte es auch sehen. Aber genauso sah ich die ganze Zeit seinen Rücken und seine rechte Hand, die immer nach außen schoss, wenn er glaubte, mir etwas zeigen zu müssen. Einmal ist er deshalb zu langsam geworden und ich konnte nicht schnell genug reagieren und stieß mit meinem Rad gegen sein Gepäck.
"Was soll den das?"!!, schrie er mich nach hinten an.
Und als ich es nicht zu ernst nahm, schob er nach.
"Weißt Du denn nicht, was das bedeuten kann? - Das Ende unserer Fahrt!".
Als wenn ich das nicht wüsste. Da habe ich dann hinter ihm ganz schön Faxen gemacht, auch, um mich abzureagieren.
Das Tempo wurde nicht geringer und wir waren tatsächlich nach 2 Stunden in Chalon an der Rhone. Also für mich da, wo das Abenteuer beginnen würde.
Jetzt war schon an den Gebäuden ein südlicher Stil erkennbar. Das war schon eine andere Gegend. Wenn auch im südlichen Chalon die Industrie keine besseren Anschauungen gegen konnte.
Hier in Chalon wurde auch ein anderer französischer Stil erkennbar. Es gibt zwar in allen Ortskernen kleine Läden, aber dort gibt es nur spezielle Sachen zu kaufen. Wir mussten uns an die Super Market halten, die immer außerhalb der Ortschaften zu suchen waren. Unser 2. Frühstück haben wir oft in der Nähe eines Super Market eingenommen.
Trotz Kartenstudiums hatten wir beinahe die Abzweigung kurz vor Cahlon verpasst, die uns in die Ausläufer des französischen Zentralmassives bringen sollte.
Immer leicht bergauf ging es durch nun typische französische Dörfer, die alle nur aus einer Strasse zu bestehen schienen. Mittelpunkt war immer ein Marktplatz, auf dem ein Kriegerdenkmal zu sehen war.
In einem dieser Orte kam es zum ersten heftigen Streit zwischen Thomas und mir. Ich hatte zu wenig eingekauft. Nicht weil ich knauserte, sondern weil ich es nicht anders wusste.
"Dann kauf doch selber ein," habe ich Thomas angeschrieen, und er natürlich zurück, so dass wir froh sein konnten, dass niemand deutsch verstand.
Diese Strassen in der Loire, Richtung Charolles waren eine große psychische Belastung beim Fahrradfahren. Lange Geraden, die kein Ende finden sollten und in einer Art und Weise bergauf bergab, als wenn man keine leichten Kurven kennen würde, die sich leicht an einem Berg hoch schlängeln.
Aber dafür wurde der Blick auf eine weite Landschaft wieder wunderbar. Ich konnte mich gar nicht satt sehen. Und oft ging es sowieso so steil bergauf, dass ich den Windschatten nicht nutzen konnte.
Eine Landschaft so weit und so einsam. Jedes Dorf, jede Ortschaft schien seit Jahrhunderten für sich zu stehen. Hier konnte man ahnen, wie es den einsamen Rittern früher ergehen musste, wenn sie dort entlang kamen und kein Ende sehen konnten. Wenig Wald, auch wenig Felder, der Boden lohnte wohl nicht.
In einer dieser zahlreichen Kurven vor einer Anhöhe, auf der ein Ort lag, haben wir Pause gemacht und konnten still beobachten, wie eine Rennfahrergruppe sich langsam den Berg herauf windelte. Wir mussten kurz später hinterher. Eng durch das Dorf hindurch.
Für kurze Zeit sah es so aus, als wollte das Wetter während meines Mittagschlafes umschlagen. Thomas hatte Verständnis für meine Ruhe. Ich brauchte das, nicht nur um meinen Körper zu beruhigen ... Ich war ihm dankbar für sein Verständnis.
Die Zeit nahte wieder, nach einem Zeltplatz Ausschau zu halten. Nicht dass wir immer erschöpft waren, aber wir wussten ja nie, wann der nächste Platz kommen würde.
Es ging gerade steil bergab nach Charolles rein, als wir ein Schild sahen, 500 m bis Campingplatz. Thomas hatte eine solche Geschwindigkeit drauf, dass er nicht mehr rechtzeitig die Kurve kriegen konnte.
Der Platz war klein, aber sauber und schön gelegen. Wir bekamen noch einen Platz. Viel mehr Platz war auch nicht mehr zu sehen. Unter einem Baum, immer für mich wichtig, lag ich doch im Schatten, während Thomas immer in der Sonne war. So bauten wir unser Zelt auf. Thomas fuhr wieder ohne Murren in die Stadt zum Einkaufen, während ich mich ausruhen konnte.
Auf dem Campingplatz war ein Schwimmbad, extra bezahlen und eine kleine Wirtschaft. Beim Schlendern und Anschauen der Dinge regte sich ein riesiger Bierdurst. Aber das Zelt aus den Augen lassen und die Fahrräder, das konnte ich nicht riskieren. Wenn das der Thomas mitkriegen würde, der würde mir ganz schön was erzählen.
Aber der Durst siegte Gott sein Dank. Ich fand einen Platz, von dem ich unsere Sachen gut überschauen konnte. Ein Glas Dosenbier - Heiniken - welch ein Gefühl.
Aber dann hat er mich doch überrascht, war aber verständnisvoll. Wir haben uns dann friedlich vor dem Zelt unterhalten, zu Abend gegessen und festgestellt, dass unsere Nachbarn aus Freiburg waren. Und wir dachten, hier würde kein deutscher Fuß hinkommen.
Im kurzen Gedankenaustausche mit dem Paar erfuhren wir, dass es ein guter zentraler Punkt sei, um in der Loire zu trinken und zu essen. Der Ort Charolles bot auch einen Anblick, der nach Wein und Essen aussah.
Der Tag war schön, keine Panne, die Sonne lachte, ich war ausgeruht, hatte ein Bier getrunken, und wir hatten über 120 km zurückgelegt.
Ich habe mich selten mit einer größeren Zufriedenheit auf eine Liegematte gelegt. Wir waren in Frankreich, dort wo man sonst nicht hinkommt, mit dem Fahrrad, wir waren stolz auf uns ...


Der 5. Tag
Natürlich sind wir wieder um 06.00 Uhr aufgestanden. Meine Armbanduhr, die ich extra für diese fahrt bekommen hatte, weckte uns immer zu dieser frühen Stunde. Allerdings muss ich sagen, dass ich schon oft sowieso wach war und auch froh war, endlich aufstehen zu können. Das lag an der Schlafunterlage, die morgens durchgelegen war, und wir jede Unebenheit des Bodens spürten.
Beim Zeltabbau hatten wir eine gute Routine bekommen. Jeder Handgriff saß mittlerweile. Thomas hatte bei dieser Arbeit das Kommando, auf sein Fahrrad kam ja auch das Zelt. Dann das obligatorische Frühstück und ab ging es.
Von der Stadt hatten wir ja am vorigen Tag nichts gesehen. Aber nun am Morgen, es war richtig angenehm zu fahren, konnten wir vom Fahrrad herunter die Stadt - die Strasse, die wir entlang fuhren - anschauen.
Eigentlich musste man immer einen Tag Pause machen, um sich die Orte und so weiter besser anscheuen zu können.
Zunächst ging es durch für diese Gegend typische Landschaft. Wenig Wald, aber auch nicht übermäßig Ackerbau. Alte Häuser mit einem leicht südländischen Einschlag. Die Strassen gingen wieder auf und ab, hoch und runter, aber sehr abwechselungsreich zum fahren, so dass wir einen guten Schnitt drauf hatten.
Viel erzählen kann man sich auf dem Fahrrad nicht. Das ist im Ganzen zu kompliziert und auch zu gefährlich. Ich hatte den Thomas nämlich schon wieder mal durch eine Unachtsamkeit angefahren. Der hat mich ganz schön geschimpft. Aber dafür konnte er meine Grimassen, die ich hinter ihm zog, nicht sehen.
Es gab immer wieder was zu sehen. Vor allen Dingen fiel mir auf, dass immer dann, wenn es erst den berg hinauf ging, dann auf der Höchsten Erhebung ein altes Haus stand. Bauernhaus oder auch nur so. Danach ging es eine zeitlang gerade aus, dass heißt, man blieb oben am Berg, und nach ein paar Kilometern, aber auch schon nach einigen hundert Metern, ging es wieder herunter.
Das gleiche war mit den Dörfern. Kurz vor den Ortschaften ging es immer herunter und gleich danach wieder hoch. Wir konnten uns darüber, über das herunterfahren gar nicht mehr freuen, wussten wir doch, dass es nach dem Ort wieder hoch gehen sollte.
Zunächst ging es auf kleinen Nebenstrassen dahin, die mit sehr großen Splitt geteert waren. Für unsere Räder nicht allzu gut. Aber die Strasse wurde immer breiter, es ging so langsam auf Vichy zu.
Das Wetter war warm, wir mussten viel trinken. In Lapallsee hatten wir schon ein ganz schönes Stück geschafft. Wir konnten in Ruhe unser 2. Frühstück einnehmen. Dann ging es weiter nach Vichy.
Als wir in Vichy ankamen, schauten wir uns schon einmal an, wir wussten schon, was wir da geschafft hattenb. Wir waren erheblich weiter gekommen, als wir uns vorgestellt hatten, allerdings aber auch ohne Reifenpanne.
"Hier also war während des letzten Krieges die Gegenregierung von Frankreich", habe ich mir gedacht und mir auch geografisch vorgestellt, dass wir nun im Herzen von Frankreich waren.
Eine eher alte Stadt. Im Stil, wie wir es an den letzten beiden Tagen erlebt hatten. Thomas fuhr recht zügig weiter, trotzdem konnte ich das lebhafte Treiben aud der Strasse und die besondere Art der Geschäfte an den Strassen in mich aufnehmen.
Nachdem wir in einer der kleinen Restaurants mit Blick auf die Fahrräder gegessen hatten, ging es weiter, Richtung Riom. Es ließ sich wirklich gut an.
Nach Riom sahen wir es dann. Das Zentralmassiv mit dem Puy de Dom und das ein Wetter aufzog. Egal wie wir nun fuhren, die Spitze dieses Berges begleitete uns.
In Riom erwischte es uns dann. Es regnete und wir mussten unter einer Tankstelle den Regen abwarten. Thomas bekam einer seiner kurzen Ausfälle, weil es wieder mal nicht so klappte, eine ganz geringfügige Sache, was mich auf die Palme brachte. Eine kurze Regenunterbrechung brachte uns aber nur bis in ein größeres Restaurant, in dem wir den stärksten Regen abwarteten.
Wieder ging es weiter, aber Regenschauer zwangen uns immer wieder zu kurzen Unterbrechungen unter einer Scheune oder am Sportplatz. Das Wetter war schlecht geworden. Dann zwar kein Regen mehr, aber dafür viel Nebel.
Die BErge, oder besser der Berg kam immer näher. Er liess uns nicht mehr los. Einmal schauten wir hinauf und meinten, dass die Strasse, wenn sie so und so laufen würde, gar nicht so steil hoch müsste. Aber dem war dann nicht so, genau auf den Berg ging es und nicht drum herum oder langsam nach oben.
Wir fuhren den Puy de Dom hinauf. Es nieselte. Ich zählte die Radumdrehungen und zählte und zählte. Unter einem Baum mussten wir wieder eine kurze Rast machen. Mit dem Gepäck war es dann gar nicht leicht, wieder in Schwung zu kommen. Aber wir hielten durch und schrieen uns ermunternde Worte zu, als wir ein Höhenschild erreichten. Wir wähnten uns oben. Weit gefehlt, jetzt ging es erst los. Viel zu sehen gab es in dem Nebel nicht. Die Spitze des Doms konnten wir gerade noch erkennen. ganz oben war dichter Nebel. Aber wir wussten, wir waren sehr weit oben.
Natürlich war es irgendwann geschafft. Nass ging es weiter. Es war auch nicht anders möglich und wir wurden belohnt. Der Nieselregen ließ nach, der Himmel riss auf und es lohnte sich, ein trockenes Hemd anzuziehen.
Es war schon am Nachmittag, als wir damit begannen, einen Campingplatz zu suchen. Weit und breit noch nichts in Sicht. Also fahren und fahren. Wir kamen bei Massagettes auf eine große Hauptstrasse, die ich gern umfahren hätte, aber Thomas meinte "Jetzt haben wir die Strecke ausgesucht, und so fahren wir auch!".
Die ganze Zeit habe ich auf der mörderischen Strecke, ca. 10 km lang, darauf geachtet, ob die andere Strecke nicht besser gewesen wäre. Und ich glaube, sie wäre besser gewesen ...
Jedenfalls ging es hoch und hoch und wir wurden mit einem herrlichen Blick belohnt. Der Himmel hatte aufgerissen und die kalte trockene Luft bot einen herrlichen weiten Blick.
Den Puy de Dom hatten wir hinter uns gelassen, aber dafür sahen wir zum ersten mal den Puy de Sancy. Eigenartig spitz und steil. Ein Monument in der Landschaft.
Endlich wurden auch wieder ein paar Campingplätze angezeigt. Aber wo die alle lagen! Sicher schön auf alten Gütern, aber weit ab vom Weg und wir mussten uns ja noch was kaufen. In St. Sauves war es endlich so weit, nach der Strasse war ein Platz. Aber war für einer. Einsam, vor diesem spitzen Berg gelegen ... Ein ganz altes Bauernhaus oder so ähnlich. Aus groben Steinen gebaut, sah es sehr alt aus. Die Anmeldung war in einem kleinen Anbau untergebracht mit einer Bar. Nicht schlecht. Aber draußen waren ja nur ein paar Zelte. Da waren nicht viele Besucher.
Der Wind wehte kalt, auch wenn die Sonne nun wieder schien. Wir suchten einen windgeschützten Platz aus und schnell stand das Zelt, in das ich mich sofort zum ausruhen legte. Thomas fuhr wie immer ohne Murren zum Einkaufen.
Als er weg war, musste ich irgendwie noch meine Beine austreten und schaute dieses Plätzchen Erde mit ganz anderen Augen an. Ein ganz kleiner Ort, weit weg von jeder Zivilisation. Ein kleiner Teich, da sollte man wohl drin baden, ein paar Wohnwagen aus München und die Toiletten in einem alten Stall untergebracht. Einsamer ging es wohl nicht mehr. Für Wanderer, die das Zentralmassiv durchwandern wollten.
Dann kam Thomas wieder. Er lachte: "Da unten ist noch ein Campingplatz, direkt im Ort!"
Wir hatten uns in der Tat den schlechtesten Platz ausgesucht. Nicht windgeschützt und weit ab vom Ort.
Naja, als die Nachbarn kamen, deren Zelt wir als Windschutz benutzten, kam es doch noch zu einem kleinen Plausch, aber wie gewohnt lagen wir um 09.00 Uhr abends im Zelt. Ich hatte alles angezogen, wa ich zum schlafen gebrauchen konnte.


Der 6. Tag
Gegen 4 Uhr in der früh bin ich aufgewacht. Thomas war wehr unruhig in seinem Schlafsack. Sofort spürte ich die eisige Kälte um mich herum. Es war wirklich unwahrscheinlich kalt.
"Ich kann nicht schlafen, es ist zu kalt!" sagte Thomas.
Dann ging er hinaus, um sich mit viel Bewegung aufzuwärmen. Ich hatte meinen Trainingsanzug über den Schlafanzug gezogen und noch Socken an, trotzdem spürte ich die Kälte.
Als Thomas zurück kam, schnürten wir ihn in seinem Schlafsack ein, so dass dieser eng um ihn herum anlag.
Endlich war es 06.00 Uhr und wir konnten aufstehen. Ein früheres Aufstehen lohnte nicht, da es um diese Zeit viel zu kalt gewesen wäre. Das Frühstücken in dieser kalten Luft, machte kein Spaß, auch wenn genau vor uns dieser seltsame spitze Berg herüber leuchtete. Dieser schöne Blick, er wirkte kalt, schien einen schönen Tag anzudeuten.
Wir waren dann auch schnell mit unseren Rädern wieder unterwegs. Thomas hatte recht, als wir herunter nach St. Sauves kamen, konnten wir ahnen, dass es dort besser und vor allen Dingen wärmer gewesen wäre, als auf der Höhe, von der wir kamen.
Nachdem wir wieder nach dem Ort die Höhe erklommen hatten, es ging wahnsinnig nach oben, und ich merkte schon jetzt, wie mir die letzte Etappe noch in den Knochen steckte, bot sich uns ein einmaliger landschaftlicher Weitblick. Links von uns kamen schon die Vulkan-Hochebene ins Blickfeld. Es waren eigenartige, kahle Bergformationen. Einigen konnte man deutlich den vulkanischen Ursprungs ansehen.
Auf der rechten Seite waren immer wieder einsame alte Höfe zu sehen. Einige von ihnen boten Camping an.
Auf der Höhe ging es gut dahin, bis es natürlich vor dem nächsten Ort, Bort les Ourges, wieder hinunter ging. Der Ort schien wieder nur aus einer Strasse zu bestehen, an der wir nach einem geeigneten Lokal suchten. Wir fanden aber keins, absolut unverständlich, und konnten dann gerade noch am Ende des Ortes etwas zu Mittag kaufen.
Die größte Strecke schoben wir durch den Ort, weil wir ja kaum immer nach einem geeigneten Essplatz Ausschau hielten. Es war ein typischer Ort mit dem eigenartigen, nicht zuzuordnenden Baustil. Viele kleine Läden, in denen nur spezielles verkauft wurde.
Kurz nach dem Ort, es ging steil nach oben, machten wir Pause, ich legte mich etwas abseits vom Straßenrand auf die Matte und machte Mittagspause. Nebenbei konnten wir einigen Fallschirmspringern zuschauen.
Dann ging es weiter Richtung Mauriac. Die Vulkane auf der linken Seite waren immer wieder einen Blick wert und der Puy de Sancy, der uns so lange begleitet hatte, blieb zurück.
Mauriac lag zu unserer Überraschung oben. Kurz vorher mussten wir noch einmal strampeln, um auf der höchsten Erhebung zum Campingplatz zu kommen.
Dieser Campingplatz hatte eine einmalige Lage. Es war ein Fußballfeld oder irgend ein anderer Sportplatz, um den herum, eigentlich sollten dort die Zuschauer stehen, die Zeltplätze lagen.
Ich war so fertig, dass wir an diesem Tag nicht weiterfahren wollten. Außerdem waren wir gut in der Zeit. Wir wollten auch den nächsten Tag an diesem Ort verbringen. Jeden Abend nur einfach so ins Bett zu gehen, hing uns dem Hals heraus.
Wir suchten uns einen freien Platz zwischen anderen unter Bäumen aus. Das Wetter war wunderbar. Die Sonne schien von einem blauen Himmel und ein Wind machte es in der Sonne erträglich. Trotzdem habe ich, nachdem wir das Zelt aufgebaut hatten, den leichten Schatten unter den Bäumen aufgesucht. Thomas lag natürlich in der Sonne. Jeden Fetzen Haut zur Bräunung bereit.
Es ging dann zum Essen kaufen, während ich faul in der Sonne liegen konnte. Ich brauchte es aber auch.
Als ich Thomas sagte, wie fertig ich bin, meinte er: "Kein Wunder nach der Fahrt. Ich bin sowieso stolz auf dich, dass du das bisher durchgehalten hast!"
Die Aussage hat mich gefreut. Und vielleicht hat sie dazu beigetragen, an manchen Stellen das Stöhnen zu unterlassen.
Irgendwann war ich wieder so weit hergestellt, dass ich mir den Platz etwas genauer unter die Lupe nehmen konnte. Neben uns schien eine Bombe eingeschlagen zu haben. Ein Zelt und alle nötigen Klamotten lagen da herum. Wahnsinnig. Auf der anderen Seite ein französisches älteres Paar mit ihrer Tochter. Ein komisches Pummelchen. Rings um die Balustrade des Platzes standen Zelte oder Wohnwagen.
Andere waren genauso neugierig wie ich und schauten oder gingen am Platz herum.
Der Platz bot auch einen wunderbaren Blick auf die Stadt. Ein alter Ort. Ein Ort, der jahrhundertlang keinen Krieg gesehen haben mag. Stark und trutzig und im Hintergrund der Puy Mary. Ein wirklich schöner Anblick.
Dann kam Thomas zurück, vollgepackt wie immer und wir nahmen unser Kaffeezeit-Essen ein.
Neben uns hatte ein weiterer Fahrradtramper sein Zelt aufgeschlagen. Wir kamen schon im vorbeigehen ins Gespräch. Er war aus Australien und radelte von England kommend durch Europa. Er war gerade in Spanien und wollte nach Deutschland.
"Heute Abend schauen wir uns mal die Stadt an", sagte ich zu Thomas. Er war auch einverstanden. War er doch sehr auf die Aufsicht unseres Gepäcks bedacht.
Als ich den Australier bei einem nächsten Gespräch, ich war auf den Weg, um mal nachzuschauen, sprach ich ihn daraufhin an. Er wollte sofort mitkommen.
Nun ja, dann würden in Frankreich wenigstens meine Englischkenntnisse wieder zu Ehren kommen.
Als wir dann wieder auf dem Weg in den Ort waren, musste ich neidlos erkennen, dass Thomas viel besser Englisch sprach, als ich.
Wir kamen durch enge Gassen, an alten Häusern vorbei auf den Ortskern. Eine alte, starke Kirche lag gegenüber den Bars und Gasthäusern. Dort saßen auch zwei gut herausgeputzte Mädchen. Als wir dann weiter gingen, die Stadt anschauend eine Wirtschaft suchten, war klar zu spüren, wo die beiden wieder hinwollten, Also saßen wir eine halbe Stunde später einen Tisch neben diesen Mädchen. Sie sahen auch nicht schlecht aus.
Thomas hatte sowieso etwas Liebeskummer. Er schien ein Mädchen zu hause zu kennen, bei dem er wohl nun gerne gewesen wäre. Seine Telefonate bewiesen das. Ich habe heute auch wieder mal intensiv an Hilde gedacht. Aber später beim Einschlafen, war das nicht gerade dienlich.
Natürlich gingen die Mädchen dann. Wir hatten gute Unterhaltung und der Aussi wollte etwas essen. Wir eigentlich auch, waren aber nicht bereit, so viel Geld anzulegen, wie er es war.
Trotzdem fanden wir schnell ein gemütliches, volles Restaurant. Neben uns war ein ganzer Tisch voller weiblicher Personen am gackern, wohin die beiden anderen immer wieder hinschielten. Das Essen war gut und nicht zu teuer.
Am Rückweg ging es wieder durch diese engen Gassen und den steinernen alten Häusern. Sie waren alle aus riesigen Steinen gebaut, was von außen ungepflegt erschien.
Heute gingen wir später ins Zelt zum Schlafen, denn am nächsten Tag brauchten und wollten wir so spät als möglich aufstehen.



Der 7. Tag
Es war schnell kühl geworden, aber die frühe Morgensonne brachte Wärme. Solange hielt ich es nicht im Zelt aus. Die Unterlage drückte. Thomas war ausdauernder.
Gegen 10.00 Uhr machte ich einen Spaziergang in den Ort, allein, gemütlich. Wir mussten ja erst den Berg wieder hinunter, und zum Ort wieder hoch. Etwa 1 km. Vor dem Ort war eine großer Platz, uneben und mit vielen Steinen, auf dem ein riesiges Klick-Klick Turnier stattfand. Wahrscheinlich ein Pokalturnier mit Doppel-ko-System, wie ich an den Aushängen sehen konnte.
Eine Zeitlang schaute ich zu und ging dann in die Stadt weiter. Der alte römische Einschlag war erkennbar. Massive Steinbauten und jedes 10. Haus schien eine Wirtschaft, Restaurant oder Bar zu sein. Die Kirche war der absolute Mittelpunkt. Alle anderen Häuser wuchsen um sie herum. Eine alte Stadt, die eine gute zeit erlebt haben musste.
Zum Zelt zurück, schlug ich einen anderen Weg ein, der mich ganz um die Stadt herum führte. Aber keine Stadtmauer zu sehen. Gleich nach der Strasse ging es recht steil nach unten. Vielleicht hat man nie eine Mauer gebraucht. Ich kam wieder am Bocca-Platz vorbei und ging bei heißem Sonnenschein wieder zu Thomas zurück.
Nach dem Mittagessen dösen und neben uns war Ordnung eingetreten. Es war ein niederländisches, sympathisches Ehepaar mit 2 Kindern, die eine Autopanne hatten und schnell ihre Klamotten dort hingeschmissen hatten.
Thomas kam mit ihnen ins Gespräch und ging mit zum Tischtennis spielen. Später habe ich auch mitgemacht und bei einem Schmetterballversuch ist mir ein Schläger buchstäblich in der Hand gebrochen.
Es gab ein großes Gelächter und es war mit ein wenig peinlich.
Nachmittags bin ich noch einmal in die Stadt gegangen, wollte mir eigentlich was zu Lesen holen. Da bemerkte ich so etwas wie einen Markt. Den habe ich mir dann angeschaut. Es schien mir typisch französisch mit Rinder- und Schweinemarkt. Mit einem Hubschrauber konnte man Rundflüge machen. Es war ein belebender Betrieb in der heißen Sonne, mal etwas anderes für mich.
Unsere Räder hatten wir heute nicht gebraucht, ich war wieder zu Kräften gekommen und lag schon lange vor Thomas im Zelt. Seine Lockerungsübungen - 50 Liegestütze, dann 15 jeweils einarmig - frustrierten eher, als das sie mich Stolz auf ihn machen würden.
Beim Einschlafen bekam ich noch mit, dass er mit dem pummeligen, verwöhnten Mädchen von nebenan Federball spielte. Ich gönnte es ihm von ganzen Herzen.


Der 8. Tag
So, heute morgen, es war Montag, war ich wieder fit. Es konnte los gehen. Den Berg hinab, wieder hoch und raus aus Mauriac hatten wir schnell hinter uns. Noch einmal einen Blick auf den Vulkanberg und es ging steil eine Serpentine hinunter. Wir mussten ganz schön bremsen.
"Klick!", machte es vorne bei Thomas.
"Los zurück schieben!" rief Thomas mir zu.
Das ging alles so schnell bei ihm, dass ich noch gar nicht vom Fahrrad abgestiegen war. Er war schon ein paar Schritte zurück gegangen, als ich endlich auch vom Fahrrad herunter kam. Den ganzen Berg wieder hinauf schieben. Das war eine Arbeit und es regnete mittlerweile. Im Regen wieder nach oben in den Ort.
Gott sei Dank wussten wir ein Fahrradgeschäft von unseren Spaziergängen her. Nur machte dieses erst um 08.30 Uhr auf. Die Speiche musste warten, was ich zu einem kleinen Rundgang nutzte. Die Warterei dauerte ewig, und auch eine Französin, die sich für uns einsetzte, konnte nicht erreichen, dass der Besitzer früher für uns öffnete. Es hätte sich auch für ihn nicht gelohnt, den er verlangte nur 45 Franc.
Wieder ging es an den alten, festen Gebäuden vorbei, an den starken Gebäuden am Ortsausgang vorbei und die steile Serpentine hinunter. Ich habe immer gehofft, dass wir diesmal heile herunterkommen.
Ganz unten in der Kehre lag ein romantischer Campingplatz an einem Flusslauf inmitten des Waldes. Er hatte seinen besonderen Reiz, den ich allerdings kaum Notiz nahm, denn ich sah schon wieder, wie steil es gleich nach oben gehen würde.
Ich musste bis 400 zählen, bis wir endlich wieder oben auf dem Berg waren. Mal wieder nicht sanft am Hügel entlang, sondern einfach über den Berg hinüber.
Aber oben wurden wir wieder mit einem herrlichen Blick belohnt. Wohl zum letzten mal sahen wir den spitzen Vulkanberg. Wir waren auf dem Weg zur Dordonne, und das würde ja unten im Tal sein.
Dann kurz vor Mittag fing es wieder an zu regnen. Diesmal war es die Kaltfront, die wir passieren mussten. In einem kleinen Dorf machten wir halt und wollten uns ein Steak mit Pommes Frites gönnen. Wir wurden natürlich mit unserer Aufmachung seltsam angeschaut, aber man half uns auch die Räder sicher unterzustellen.
Als wir zum Aufwärmen eine Tasse Tee auf französisch bestellten, verstand uns kein Mensch und wir die Welt nicht mehr. Wo war der Unterschied zwischen The und Tee. Thomas versuchte es mit Englisch und Zeichensprache, nichts half.
"Was wollen die Gäste?", fragte eine eintretende Frau.
"Wir wollen einen Tee!", antwortete Thomas.
"Dann gebt ihnen einen Tee", mag sie geantwortet haben, denn die Sätze fielen in Französisch. Wir bekamen aber unseren Tee.
Zum Essen mussten wir einen anderen Raum aufsuchen, wahrscheinlich das Restaurant. Auch nicht schlecht. Es war reger Betrieb hier.
Erst jetzt machte ich mir Gedanken über dieses Wirtshaus. Natürlich alt von Außen. Aber innen gemütlich eingerichtet. Im Grunde ein großer Raum, in dem links die Wirtschaft und wie gesagt rechts das Restaurant war. Offensichtlich auch ein Familienbetrieb. Denn man konnte 3 Generationen beim Bedienen beobachten.
Beim Beobachten der Menschen beim Essen konnte ich schon sagen, dass da einiges anders war, als bei uns in Deutschland. Vor allen Dingen der Vater mit seinen (?) zwei Söhnen.
Dann ging es weiter. Endlich konnte ich die große Karte nehmen. Wir waren auf dem Weg nach Argentat. Steil ging es in diesen Ort hinunter. Wir konnten unsere Räder laufen lassen. Trotzdem stoppten wir noch einmal die Fahrt um von einer Straßenkehre den großartigen Blick in das Tal der Dordonne zu genießen.
Unten war der Fluss zu sehen und die Flusswindungen waren stark bewaldet. Und ganz links unten war schon die Stadt zu sehen. Es sah von hier oben gut aus und da unten würde es wohl nicht anders sein.
Kurz vor Argentat, ich fuhr an Thomas vorbei, der mich filmte, musste ich meiner Freude, schon bis hier gekommen zu sein, freien Lauf lassen.
"Ha, Thomas, wir sind schon wer ...!"
Es war ein super Gefühl, wenn man auf die Leistung zurück schaute. In Argentat suchten wir ein Lokal auf und wollten uns unser Steak mit Pommes gönnen.
Argentat war wohl die typische Stadt für diese Gegend. Ganz leichter römischer Einschlag, aber wohl eher ein eigener durch Jahrhunderte geprägter Baustil. Der Ort war sauber und sah wohlhabend aus. Sicherlich eine Touristen-Stadt, aber keine Ferienstadt.
Zum Essen bestellte ich mir zur Feier des Tages ein Bier. Welch eine Freude, aber auch (ironisch) welchen Mut es bedeutete, neben Thomas dem Anti ein Glas Alkohol zu trinken.
Das Wetter war wieder herrlich, wir saßen in einem Garten draußen, natürlich die Räder im Blick und ich trank ein Glas Bier, war tief nach Frankreich gekommen. Was konnte noch schöner sein. Thomas und ich unterhielten uns auch entsprechend freundlich und stolz auf uns.
Nun waren wir an der Dordonne, den ich mir in Gedanken so oft vorgestellt hatte. Er war schon recht groß in einem bewaldeten, teilweise recht engem Tal. In den Flusswindungen gingen die Berge sanfter nach oben, während es an manchen Stellen recht steil nach oben ging.
Auf dem Fluss konnten wir viele Kanufahrer ausmachen, die sich alle von der Strömung nach unten treiben ließen.
Rechts von uns Wald, der immer wieder von kleinen Anwesen unterbrochen wurde. Dies alles konnten wir feststellen und genießen, nachdem wir gleich nach Argentat die Richtung nach Beaulieu gefunden hatten. Wusch ... waren wir am Fluss, es ging ganz übergangslos.
Die Strassen waren nun enger und viel kurvenreicher. Unser Tempo war dem nun angepasst. Vielleicht noch 20 km/h, aber es ging gut dahin. Immer wieder in den Flussbiegungen auf den Fluss schauend oder rechts alte Häuser und Kirchen betrachtend.
Dann waren wir in Beaulieu, einem kleinen malerischen Städtchen. Auf einer Flussbiegung fanden wir einen schönen Campingplatz. Er war voll, und vielleicht weil wir Deutsche waren - die Besitzerin war auch Deutsche - bekamen wir noch einen Platz. Er war direkt am Fluss gelegen und für den übernächsten Tag vermietet.
Viele Steine und das Zelt war schwer aufzubauen. Das Wetter war nun total anders geworden. Oben auf den Bergen trocken und im Schatten manchmal recht kühl. Hier im Tal heiß und große Luftfeuchtigkeit. Eine große Umstellung für uns.
Der Platz lag völlig unter Bäumen, der Schatten tat gut. Aber Thomas hatte schon seit einiger Zeit eine Wolke beobachtet und hatte die fixe Idee, es würde ein Gewitter kommen. Also zogen wir um unser Zelt einen stattlichen Wassergraben.
Natürlich kam kein Gewitter oder Wetter, woher auch ...
Hier war der Fluss doch schon stattlich breit, allerdings nicht sehr tief. An einigen Stellen hatten Besucher für ihre Kinder Auffangbecken gebaut oder sonnten sich auf den Steinen in Flussbett. Die vielen weißen Blumen auf dem Wasser blitzten hell und grell in der Sonne. So stellte man sich ein Urlaubsparadies vor (Wenn nicht so viele Leute da gewesen wären).
Natürlich hatte Thomas in der Zwischenzeit für unser Essen gesorgt, wir waren recht gut eingespielt. Er arbeitete und ich regenerierte.
Nach einem morgendlichen wahnsinnigen Streit nach Mauriac, war unser Verhältnis merklich besser geworden. Ich brauchte hinter ihm nicht mehr zu feixen ...
Es war herrlich so zu leben ...


Der 9. Tag
Wir hatten unsere Tugend, um 06.00 Uhr aufzustehen, aufgegeben. Wir wussten, es ging ganz gut dahin mit uns. So gegen 7 Uhr brachen wir auf. Meinen Widerstand gegen Bananen danach hatte ich aufgegeben, nachdem ich mal andeutete, auch mal ein anderes Obst essen zu wollen, die Antwort bekam:
"Das bringt doch nichts ...!"
Zunächst ging es an den vielen Flussbiegungen am Wasser entlang. Noch waren keine Floßfahrer unterwegs. Man konnte einfach so dahin fahren. Zum Frühstück, dem 2., hatten wir uns Vayrac ausgesucht, wir waren fast zu früh da. In einer uralten engen Gasse fand ich einen romantischen Bäckerladen, bei dem wir und guten Kuchen leisteten. Ich war von meinem Sparprogramm abgewichen und hatte Thomas gebeten, mir evtl. mit einem Scheck auszuhelfen.
Und er hatte ohne Einwände zugestimmt ... Himmel ...
Eine Ortschaft war schöner als die andere. Eng an die Felsen gelehnt, manchmal musste der Fels herausgesprengt worden sein, schmiegten sich die alten Häuser zwischen Fluss und Anhöhe. Es gab immer wieder etwas zu sehen. Die Geschwindigkeit des Fahrens erlaubte auch ein gleichzeitiges Fahren und Schauen.
Im Fluss waren wieder die Kanus zu sehen. Manche hatten auf seichten Sandbänken festgemacht. Thomas hatte die romantischen Möglichkeiten erkannt und machte auch eine entsprechende Bemerkung. Gleichzeitig wussten wir aber, dass der Fluss zu überbelegt war.
Uns kamen auch immer wieder Fahrzeuge mit aufgeladenen Kanus entgegen, die wohl irgendwo ins Wasser gelassen werden, und die eigentlichen Fahrer wurden mit anderen Fahrzeugen hingefahren und auch wieder abgeholt.
Für junge Erwachsene musste diese Kanufahrt wirklich etwas schönes sein, und wenn der andere noch anderen Geschlechtes wäre ... Ich konnte es mir schon vorstellen.
Das Wetter war zunächst fantastisch. Viel Sonne, viel Feuchtigkeit und damit auch viel Schweiß bei manchen Steigungen. Dann, wir hatten immer wieder stark befahrene Straßen überqueren müssen, kam für mich das herrlichste Fleckchen Erde, was ich je gesehen hatte. Ohne uns absprechen zu müssen, waren wir abgestiegen um das da zu bewundern. Eine uralte Kirche, direkt in den Fels geschlagen, eine Marienstatue und die Kirche. Man hätte rasten müssen und es einwirken lassen ...
Soviel Zeit hatten wir nicht. Wir kamen nun zu den Ortschaften, wo Hilde und ich übernachten wollten. Sie waren wirklich so schön, so imposant, so alt, wie wir es uns vorgestellt hatten. Romantisch, wild und gefährlich am oder sogar im Fels gebaut, jedes Haus. Gleich gegenüber dem Fluss ...
Die Strecke war genauso schön. Welche Bilder, welche Landschaften. Hoch auf dem Berg eine Stadt zu sehen, dann, wenn der Blick nach rechts wanderte, eine riesige Burg, fest und mächtig. Es war an einer Straßenbiegung, eng neben einem Felsen.
Viele Leute waren angehalten um sich dieses Bild nicht entgehen zu lassen. In dem Felsen war noch ein riesiger Dom gegraben. Man hätte Stunden stehen sollen.
Auch der nächste Ort, das gleiche Bild. Romantisch, eigentlich zum Schauen einladend, aber zu viele Menschen.
Mir wurde sofort klar, das ich mit Hilde hier noch einmal herfahren würde. Alles richtig zu sehen. Es zu genießen. Diese unglaubliche ausstrahlende Romantik einwirken zu lassen. Ruhig, bei einem Glas Wein zur schauend, ehrfürchtig vor dieser Landschaftskulisse.
So schön diese Fahrt auch war, so fürchterlich holte sie uns in die Wirklichkeit zurück. Der Himmel wollte sich verziehen und ...
"Krick...", die nächste Speiche.
Dieses mal fuhr Thomas die 5 km bis zum nächsten Ort weiter. Ich immer mit meinem Blick auf das Hinterrad, ob sich da nicht noch mehr tut.
Fragend kamen wir dann zu einer Werkstatt, bei der wir erst in 2 Stunden an der Reihe sein würden. Wir hatten schon zum Abend eingekauft und hätten gerne unser Zelt auf einem Campingplatz aufgebaut. Man lies uns aber nicht. Also warten, und dann den nächsten Platz ansteuern.
Lange warteten wir auf einer Bank, neben einer Kreuzung. Konnten sehen, wir ein Ehepaar mit ihren unter 6 Jahren bei einer Fahrradtour waren. Sie waren aber mit dem Zug angereist, und wollten die Dordonne Flussaufwärts fahren.
Irgendwann waren wir natürlich wieder fahrbereit. Ich wollte einfach den nächsten Platz anfahren. Weil man ja auch nie genau wusste, wann der nächste kam. Am Mittellauf der Dordonne waren Camping an Camping, nun wurden die Plätze aber seltener.
Bei Coox et Bigaron wurde ein Platz angekündigt. 4 Sterne, wahnsinnig. Aber egal, wir brauchten einen Paltz für die Nacht. So teuer der Platz war, so gut war er auch. Rezeption, Aufenthaltsraum und Bar boten nun etwas dar.
Auch ein Swimmingpool war da, den Thomas auch nutzte. Ich ging wie jeden Tag, ausgiebig duschen und schaute mir den Platz mit den Engländern, Niederländern und Belgiern mal an. Gut ...
Der Himmel hatte sich immer mehr bezogen und es tröpfelte. Für die Nacht war mit Sicherheit Regen angesagt. Uns so war es dann auch.
So gemütlich der Platz auch war, ich habe mir ein Bier verkniffen.


Der 10. Tag
--- keine weiteren beschriebenen Seiten --- ENDE Bericht Wilfried ...


Wir fuhren den nächsten Tag weiter Richtung Bordeaux. Dort trafen wir uns mir Hilde, die die Strecke von München mit dem Auto hinterher gefahren war. So konnten wir die letzte Etappe zum Atlantik ohne das große Gepäck genießen. In 'Lacano de Ocean' machten wir dann auch noch eine Woche Urlaub in einer Miethütte.
Bemerkenswert war auch unsere Begegnung mit einem Arbeitskollegen meines Vater inmitten von Bordeaux. Ich denke, selbst Lotto spielen hatte eine günstigere Trefferquote gehabt. Nach einer guten und herzlichen Unterhaltung bei einem Eis fuhren wir weiter.
Zum Ende des Urlaubes ging es zusammen mit dem Auto zurück nach München. Auf der Fahrt schon wieder in Deutschland mussten wir noch um 3 Uhr morgens einem vom Fahrrad gefallenen Besoffenen erste Hilfe leisten, der mitten auf der Straße lag.

Es war ein schöner, erlebnisreicher Urlaub. Mein Vater hat eine großartige Leistung hingelegt. Mal sehen, ob ich das dann in seinem Alter auch noch schaffe! (Der Mitfahrer ...)


Stand: 02.10.2001

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