Thomas Wiegand's Urlauberinnerungen 1991 in Frankreich, Embrun


Frankreich - Seealpen/Embrun - (Stausee) Serre-Poncon - Hautes Alpes

1991

Am Montag, den 12.08.
hat mich wie üblich das Reisefieber gepackt. Trotz schönem Wetter in Deutschland wollte ich weg. Also um 8.00 Uhr aufgestanden und alle benötigten Dinge wie Zelt, Schlafsack, Kochgeschirr, Kocher und vieles andere eingepackt. Auch das Fahrrad kam auf den Gepäckständer. Noch 2 Gartenstühle zum Tisch gekauft, und ab ging´s. Über Ravensburg nach Lindau. Dort hat mich schon gegen Mittag ein Gewitterregen zum Halten gezwungen. Weiter über Bregenz (Pfändertunnel) und in die Schweiz auf die Autobahn nach Chur das Rheintal hoch. Der Oberalbpaß (2045m) war die erste Hürde, und das Wetter wurde besser. In Andermatt noch pausiert und etwas Geld getauscht und weiter auf den Furkapaß (2460M). Dort gibt es jedes Jahr einen Tunnel in den Gletscher, der in strahlendem Blau leuchtet und recht Kalt ist. Ins Rhônetal ging es dann wieder schnell runter über Brig nach Sierre. Dort war der Eingang in das Tal von Vissoie, St. Luc und Zinal. Auf einem Zeltplatz (1300m) unterhalb von St. Jean habe ich dann gehalten. Mit dem neben mir campierenden Engländer aus Manchester habe ich sofort Kontakt bekommen. Es wurde ein unterhaltsamer Abend in Englisch.

Dienstag, 13.08.
Heute schon gegen 7 Uhr auf, stellte ich fest, das sich die hier in den Bergen am Morgen fehlende Sonne recht ungünstig auf die Temperatur auswirkt. Nebst denn jetzt obligatorischen Chroassants gab es einen heißen Kaba, um den Körper auf trab zu bringen. Kaum war aber die Sonne so gegen 9 Uhr über dem Berg, spürte ich den Sommer. Samt Engländer (Chris) ging es dann mit dem Auto zum Ausgangspunkt der Wanderwege am Stausee von Grimentz (2400m). Von dort wanderten wir auf die Moire de Cabane (2900m) und weiter über schöne Gletscher auf den Pipue de La Le (3500m). Hier oben hatte es trotzdem 6°C. Zu windig, beschlossen wir nach ein paar Fotos wieder etwas abzusteigen, um an einem Bruch halt zu machen, der in der Sonne , aber windgeschützt lag, so daß wir die Höhensonne genießen konnten. Die kräftige Sonne schmolz den Gletscher sichbar auf, so das in kürzester Zeit reißende Bäche den Gletscher hinabstürzten. Gegen Nachmittag ging es wieder abwärts und unten am See machten wir nochmal gut ne Stunde Pause bevor es wieder zum Zeltplatz ging. Trotz Sonnenmilch habe ich mir einen kräftigen Sonnenbrand geholt. Jetzt kam der Hunger mit selbstgekochten Ravioli und Pudding mit Cocktailfrüchten auf seine Kosten.

Mittwoch, 14.08.
Heute war es genauso kalt wie am Vortag. Nach einem guten Frühstück zog ich die Fahrradkleidung an und packte meinen Drahtesel. Ich fuhr vom Zeltplatz aus über St. Jean und Grimentz an den Stausee. Das waren am Ende ca. 15 km mit 1100 Höhenmetern. Oben angekommen, benötigte ich dringenst meine Verpflegung. Erst das letzte Stück der Reise war flach genug, um an gemütliches fahren zu erinnern. Am See verblieb ich dann den ganzen Tag und sah den Wanderern zu. Dabei lag ich gemütlich an einem kleinen Bach und konnte mich bei Bedarf wieder abkühlen. Am Nachmittag fuhr ich zurück. An der Staumauer hielt ich noch, um noch ein bischen ins Tal runterzuschauen. Dann gings ab. Durch einen Tunnel hindurch auf die erste Serpentine mußte ich eh bremsen. Aber dann konnte ich es lange laufen lassen. Die beiden Autos vor mir kamen nicht schneller voran und die Kinder des 2. Wagens erfreuten sich an dem hinterherrasendem Radler. Mir dagegen wurde es langsam mulmig, als es so über die 60 Km/h ging. Schläge in der Straße und etwas unübersichtliche Stellen zwangen mich immer weider zum Bremsen. Vor Grimentz in den Serpentinen mußte ich wieder etwas langsamer fahren. Hier bekam ich dann schon Krämpfe von Bremsen, weil es recht steil nach unten ging. Durch die Ortschaft hindurch war es etwas ruhiger. Ein Festzeltaufbau kündigte von bevorstehenden Festlichkeiten, und am Marktplatz verweilte ich noch etwas, um dem Treiben zuzusehen. Weiter wurde es wieder steil. Hier überholte ich aber 2 Wagen. Erstaunte Gesichter bewiesen wir, das die Leute noch nicht oft Begegnungen mit Radlern hatten. Am Zeltplatz angekommen mußte ich erst mal die Finger lockern. Selbst die Bremsen von Velo rochen etwas verschmorrt. Später luden uns eine Englische Familie weiter oben am Platz auf einen Drink ins Lokal ein. Wir hatten schon am späten Nachmittag recht viel Spas gehabt, weil eine Tochter die viel zu großzügig gekochten Nudeln zu mir brachte, und ich just selbst gerade Spagetti kochte. Die Familie konnte viel aus Südamerika erzählen wo die Mutter 2 Jahre als Zahnärztin praktizierte.

Donnerstag 15.08.
Das Matterhorn gesehen und eine schöne, schwere Radwanderung gehabt, konnte ich meiner Leidenschaft, dem Autofahren in den Bergen fröhnen. Noch vor der wärmenden Sonne war das Zelt abgebaut und das Material verstaut. Das Frühstück wurde trotzdem gemütlich genossen. Nach einer Verabschiedung von den Bekannten ging es wieder runter ins Rhônetal und weiter nach Sion. Dort gibt es einen unterirdischen See mit Bootsfahrten. Ein beklemmendes Gefühl ist das schon, wenn über einem Berg und unter einem das Wasser ist. Nach einer Stunde dann hoch zum höchsten Staudamm Europas? dem Lac de Dixence. Hoch oben im Tal steht eine 284 Meter hohe Wand aus Stahl und Beton in 2300 m Höhe. Ein tollter Blick auf den See und die Berge dahinter. Unten im Tal gibt es noch so seltsame Erdpyramieden, wie von rießen Termiten angelegt. Weiter über Martigny, den Col de la Forclaz (2205m) nach Frankreich und Chamonix. Von dort durch den Mt. Blanc Tunnel (13 Kilometer und stinkend) nach Courmayeur (Italien). Sofort den nächsten Paß (Col de Picc S. Bernado 2188m) nach Frankreich und hier durch Val d`Isere auf den Col d`Iseran (2770 M). Über Modane dann auf den Col du Galibier (2645 M) und nach Süden durch Briancon. Den ganzen Paß hatte ich eine tolle Wettfahrt mit einem 205er. Zwischendurch gab es fast einen Auffahrunfall, weil eine vorausfahrende Ente hinter einer 180° Kurve stehengeblieben ist, und alle anderen natürlich ein bischen Schwung ausnutzend, nicht schnell genug bremsen konnten. Millimeterarbeit! 7 Kilometer hinter Briancon fand ich einen passenden Zeltplatz für eine Nacht. Dirket neben dem Schwimmbecken und unweit der Toiletten vermißte ich nichts. Aus Vertrauen zum Wetter hatte ich nur das Fliegengitter aufgestellt, ohne den Regenschutz aufzustellen. Fast wie unter freien Himmel.

Freitag, 16.08.
Noch bevor das Leben auf dem Zeltplatz noch richtig beginnen konnte, war ich schon wieder unterwegs. Die Brücke hinter dem Zeltplatz war keinen Zentimeter zu hoch, denn mein Fahrrad erreichte fast die Deckedes Tunnels. Nach Süden Richtung Gap gings bei Mont-Dauphin und Guillestre über den Col de Vars (2109 m) auf den Col de la Bonette, mit 2802 Metern auch der höchste Paß Europas. Die 50 Meter zum Gipfel waren selbst für mich dann anstrengend, da die Luft hier oben etwa 3/4 der Dichte der Luft hier unten hat. Also Atemnot bei sportlichen Aktivitäten. Weiter die Straße nach Süden landete ich direkt in Nizza. Jetzt mit schöner Musik und offenen Fenstern nach Monacco, wieder nach Nizza und weiter nach Cannes. Über 5-spurige Straßen ging es zwischen Hotels und Strand bei knapp 40°C im zähflüsigen Verkehr dahin. Die Urlauber sprangen im Bikini und Badehose mit ihrer Luftmatratze hin und her. In Cannes dem Verkehr auf die Autobahn bis Frejus entflohen, ging es hier bis St. Tropez wieder in die vollen. In St. Tropez nicht viel los, und einen schönen 5-Master im Hafen. Aber zu heiß. So bin ich weiter durchs Hinterland über Grimaud, Lorgues und Villecroze einem - hoffentlich- leerem Tanklaster mit 90 km/h hinterher. Am 'Lac de Ste. Croix' fand ich einen Zeltplatz meiner Wahl, nachdem ich noch in Moustiers Ste. Marie Geld geholt hatte. Nur schräge Flächen erschwerten die Platzwahl enorm. Mit 2 deutschen Mädchen aus Gummersbach fand ich schließlich die beste Stelle, die wir dann auch zusammen nutzten. Die Autos kamen gemeinsam auf den schlechten Nachbarplatz. Nach einem Bad im See, heute besonders erfrischend, hatte ich bei einer herrlichen Aussicht einen schönen Abend mit Selbstgekochtem.

Samstag, 17.08.
Trotz gutem Platz noch immer im Schlaf fast aus dem Zelt gerutscht. Daher recht früh auf, aber bei einem gemütlichem Frühstück wieder erholt. Die offene Art des Platzes gegenüber Natur und lärmenden Besuchern ließen mich wieder zusammenpacken und weiterfahren. Da wurde natürlich die Nordroute des 'Grand Canyon du Verdon' probiert. Ist aber nicht so steil und gefährlich, wie die Südroute. Weiter durch Castellane, wo wie üblich Markt war und nichts voran ging, nach Digne. Hier dann abseits der großen Straßen über den Col du Labouret (1240m), den Col du Fanget (1459m) und Seyne nach Chorges am 'Lac de Serre-Poncon' (800m). Oben am Paß habe ich dann 2 1/2 Stunden geruht und die Sonne genossen, bis so eine Wolke genau über mir nicht mehr weg wollte. Ein toller Zeltplatz mit super Sicht auf den See und Badestrand ließen mich unweit von Savines verweilen. Zeltaufbau und Einrichtung waren jetzt schon Routine, so daß bald an ein gemütlichen Abendessen gedacht werden konnte.

Sonntag 18.08.
Eine kurze Nacht ermunterte mich, mit dem Fahrrad in den kühleren Morgenstunden die Gegend zu erkunden. Nach Savines über eine lange Brücke fuhr ich bis an eine Stelle gegenüber meines Zeltplatzes und der Kapelle des untergegangenen Ortes St. Michel. Hier konnte ich zurück mal wieder so richtig rasen. Zurück, war gerade der Bäcker angekommen, wo ich sofort 5 Chroassants holte und ein schönes Frühstück in der Morgensonne machte. Dann runter zum Strand. Dieser war noch in wohl alten Obstplantagen integriert und ein großteil des am Wasser befindlichen Strandes waren geteert. Das erleichterte den Gang ins Wasser enorm, weil die Steine hier recht spitz und ungemütlich waren. Hier gab es auch einen Bootssteg mit Tretbooten, Segelbooten, Surfbrettern und Wasserskifahren. Aber erst mal zusehen, den die Preise waren hoch und der Wind noch unbekannt. Am Abend habe ich dann erst mal wieder gut gekocht.

Montag, 19.08
Jeden Morgen habe ich eine kleine Runde mit dem Fahrrad gedreht. Es sollte ja nicht ganz umsonst mitgefahren sein. So gegen 10.00 Uhr war ich am Stand und half beim Einholen der Boote von den Bojen. So konnte ich gemütlich lange Treetboot fahren. Waren die Kosten für eine Wasserskifahrt mit 33,-- DM doch recht teuer, so konnte ich den Rest der Woche als Gegenleistung für meine Mithilfe am Morgen umsonst fahren. Super. Beim ersten mal hatte ich Angst, das Geld zu Fenster rauszuwerfen, weil ich beim Zusehen immer nur Start, Hoffnung und Fall gesehen hatte. Und für unzählige nutzlose Versuche wollte ich eigentlich nicht zahlen. Doch nach einer Einweisung in Französisch mit englischen Brocken und visueller Unterstützung gings los. Die Skispitzen aus dem Wasser, die Beide angezogen und die Arme gestreckt erwartete ich den Zug der Leine. Der kam auch. Nach ein bischen balancieren folgte ich dem Zug und der Druck des Wassers schob mich schnell aus dem Wasser. An normeles Skifahren im Schnee auf einer Piste erinnert, stand ich auf, und konnte ohne Fall hinter dem Motorboot hergleiten. Die Wellen waren schon etwas eigenwillige Begleiter, doch schon am nächsten Tag nutzte ich den gesamten Raum hinter dem Boot aus, und entwickelte Wasservorhänge in den Kurven. Auch die Heckwelle des Motorbootes eignete sich hervorragend zum Springen. Das gesparrte Geld nutzte ich an den Vormittagen zum Surfen. Ein Funboard mit allem drum-und-dran kostete für eine Stunde immer noch 18,-- DM. Aber der gute Wind sorgte für eine ruhelose Stunde, so daß ich froh war, aufzuhören. Wenn dann in den Nachmittagsstunden die Sonne zu heiß wurde, erfrischte der See enorm. Das erste mal ging ich am Mittwoch Essen. Nach Spagetti Carbonara hatte ich noch Hunger und verschlang so noch eine Pizza 4 Jahreszeiten. Komisch, zu Hause schaffte ich nicht mal eine halbe Pizza. Die Bedienung war nach meiner zweiten Bestellung sehr verwundert, da sie eigentlich ein Eis oder Kaffee erwartet hatte.
Vielfältige Bekanntschaften verschönerten die Badestunden durch Ballspiele oder Balancakten auf einer Luftmatratze. Eine Familie aus Gap zeigte mir eines Abends die Stadt. Die arme Tochter "durfte" immer alles von Englisch auf Französisch übersetzten. Zwei allenstehende Mütter mit ihren Töchtern leisteten mir dann tagsüber immer Gesellschaft, so daß es nicht langweilig wurde, und mein französischer Sprachschatz (ich kann kein Französisch!) langsam erweitert wurde. Zwei Mädchen aus Marseille, die hier in einem Gasthaus arbeiteten, ermunterten mich auch mal richtig Essen zu gehen. Dort angekommen, stellte ich fest das dieses Gasthaus ein Restaurant in einem Schloß war, und der Weinkeller mit Bögen als Speiseraum genutzt wurde. Nun denn, die Chefin konnte Deutsch, und so war wenigstens die Speisekarte entschlüsselt. Ich begann mit Ziegenkäse überbackenen Toastbrot auf Salat. Dazu ein recht schwerer Rotwein mit Weißbrot. Dann gabs Lammfleich mit allerlei Zutaten mit Bratkartoffel in Milch mit Käse überbacken. Nach einem Vanilleeis mit heißen Himmbeeren noch einen Mocca. Mittleiweile war es spät in der Nacht, und die am Nachbartisch speisenden Familien hatten viel Spas, so daß auch ich rüberrücken sollte und noch ein Eis von ihnen bekam, weil sie selbst gerade die Hauptspeise beendet hatten. In Englisch, französichen und deutschen Brocken gab es eine gute und faszinierende Unterhaltung. Mit etwa 30,-- DM war das Essen nicht teuer, obwohl die Eis nicht von mir bezahlt werden mußten.

und Dienstag, 27.08.
(siehe Vortag)

Mittwoch, 28.08.
Das Geld reichte also genau noch für den Zeltplatz und eine Tankfüllung. So machte ich mich nach dem obligatorischen Frühstück auf den Weg. Über Gap und Grenoble probierte ich mal die Autobahnen. Bis Albertville ging es sehr schnell und billig. Wieder durch Chamonix und Martigny war schon kein Problem mehr. Von Martigny nahm ich das die schweizer Autobahn bis kurz vor Deutschland. Nicht lange, und ich fand mich im altgewohnter Umgebung wieder.


hier ein paar andere Infos zum Urlaubsgebiet: Embrun, und das Wetter dazu,

Und hier noch ein paar Momentaufnahmen aus dem Jahr:

Wer meint, das wäre 'Bescheuert': Leben, Spass haben und auch immer wieder verrücktes machen. Wir hatten einen rießen Spass - so versuchte eine Eisläufering auch unter der kleinen Brücke durch zu kommen, landete aber auf ihrem Gesäß - AUA! Und der 'sterbene Schwan' auf dem Foto war einer der lustigen Höhepunkte dieses Tages ... Danke an meinen Freund damals ...

Siehe auch in diesem Jahr zum Thema Alpenpässe
>

Stand: 02.10.2001